Anschaffung einer kleineren Enduro

Ich möchte mir Ende des Jahres eine kleinere Enduro für offroad Touren zulegen. Probefahrten habe ich schon gemacht, die Entscheidung steht noch aus.

Einsatzzweck

Der Einsatzzweck sollen offroad Touren und Endurowandern sein. Ich möchte nicht auf die Cross-Strecke oder so extremes Gelände fahren, dass man nur noch am balancieren und kämpfen ist. Ein Flow und Fahrspaß soll schon noch sein. Im Prinzip solche Touren wie ich sie bisher im Oman, Ligurien oder Frankreich gemacht habe, evtl. auch mit etwas anspruchsvollerem Offroad. Das geht zwar meist auch mit der 800er, allerdings möchte ich eine leichtere Maschine bei der so etwas leichter von der Hand geht, weniger anstrengend ist und deshalb auch mehr Fahrspaß bringt. Von daher soll die neue Enduro leichter sein und nicht mit Gepäcksystem oder sonstigen Dingen „beschwert“ werden. Die 800er will ich für große weite Touren mit Gepäck behalten.

Zwei, doch recht unterschiedliche Enduros, habe ich in die nähere Auswahl gezogen und bin beide zur Probe gefahren.

KTM 690 Enduro R (2012)

Eine Spaß-Maschine mit breitem Einsatzbereich. 690 ccm, 67 PS, 1 Zylinder, 138 kg Leergewicht. Wenn man vor der Maschine steht glaubt man kaum, dass es sich um eine 690er handelt. Sie ist sehr schlank und entsprechend locker fährt sie sich. Ich hatte zunächst zwei Vorurteile:

  1. Die Maschine ist viel zu aggressiv und damit lässt sich  die Enduro nur mit viel Können und unter Einsatz der Kupplung im Gelände bewegen.
  2. Der Motor lässt sich bei Umdrehungen von weniger als 3000 Umdrehungen nicht fahren.

Dieses Bild änderte sich sehr schnell bei der Probefahrt. Schon der erste Eindruck war  positiv. Im Leerlauf nur wenig Vibrationen. OK, Power hat sie, ab 5000 Umdrehungen steigt das Vorderrad im 2. Gang in die Luft. Im 1. Gang reicht ein kleiner Dreh am Gasgriff und sie macht einen Satz nach vorne. Nicht die besten Voraussetzungen für den entspannten Offroad-Einsatz. Aber das Motormapping lässt sich über einen Schalter unter der Sitzbank verändern. Ich bin mit der Standardeinstellung los gefahren, es gibt noch Sport (noch wilder) und Regen. Die Regeneinstellung ist ideal für entspanntes Fahren im Gelände. Problemlos ist es möglich im 1. Gang, im Standgas, auf losem grobem Schotter Kreisel am Lenkanschlag zu fahren. Dabei ist sie sehr sanft bei der Gas-Annahme und fährt im Standgas 11 km/h. Und auch Motordrehzahlen unter 3000 Umdrehungen sind kein Problem. 50 im 5 Gang bei 2500 Umdrehungen ohne Ruckeln, Schütteln oder Zerren an der Kette. Die Motor-Charakteristik kommt schon nahe an einen Zweizylinder ran. Die Inspektionsintervalle liegen bei 10.000 km und der Motor ist standfest. Mit diesem Motorrad kann man auch Etappen fahren oder auch mal das Zielgebiet  auf dem Motorrad anfahren. Es gibt einen Super-Moto Radsatz als Zubehör was den Spaß auf der Strasse weiter steigert.
Als ich von der Probefahrt zurück kam, habe ich befürchtet dass mir die 800er jetzt wie ein schwerer Eisenhaufen  vor kommt. Aber weit gefehlt, das Handling kam mir ähnlich vor, dafür ist die 800er beim Komfort im Vergleich wie S-Klasse fahren. Aber die KTM hat ein breites Einsatzspektrum, ist für Strasse und Gelände geeignet hat aber den Focus mehr im Gelände.

Beta 450 RR Enduro (2012)

Ein Mountainbike mit Motor, so lässt sich das kurz zusammenfassen. 450 ccm, 1 Zylinder, 115 kg Leergewicht. Auch hier hatte ich das Vorurteil, dass der Motor sehr aggressiv ans Werk geht. Aber ich wurde eines besseren belehrt. Kein steigendes Vorderrad, kein durchdrehendes Hinterrad, Einsatz der Kupplung nicht notwendig, alles leicht und einfach im Griff. Die Fahrt über Unebenheiten, Feldwege und Wiesen eine Leichtigkeit. Engste Kreisel im Standgas auf sehr engem Raum wie mit dem Mountainbike zu fahren. Im Standgas fährt sie  9 km/h. Ich war begeistert, noch nie hatte ich Motorradfahren mit so einer Leichtigkeit verbunden. Trotzdem hängt sie gut am Gas und es schlafen einem nicht die Gesichtszüge ein wie bei einer Beta Alp 4.0. Das ist Fahrspaß der Extraklasse.
Allerdings ist das kein Motorrad um Strecke zu fahren. Ein Transporter oder Anhänger um das Motorrad ins Zielgebiet zu bringen ist Pflicht. Auch die Wartungsintervalle sind kurz und werden nicht in Kilometer sondern in Betriebsstunden angegeben. Wenn sie allerdings nicht wettbewerbsmäßig am Limit gefahren wird reicht es aus den Ölwechsel nach einer Tour zu machen. Sie benötigt aber halt mehr Pflege und Wartung als eine große Maschine wie die KTM 690.
Als ich nach der Probefahrt  wieder auf meiner 800er saß, dacht ich oh Gott. Was für eine breite Sitzbank, wie schwer gängig ist hier doch alles. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Das Einsatzspektrum der Beta ist eingeschränkt. Keine Strasse, reines Gelände, kein Gepäck, keine Strecke. Auf dem Anhänger ins Zielgebiet und dann jede Menge Spaß haben.

Entscheidung

Nun ist guter Rat teuer, die Entscheidung für eine der beiden Motorräder fällt nicht leicht. Die Beta ist ganz klar das bessere Motorrad für den reinen Offroad-Einsatz, die KTM hat das breitere Einsatzspektrum.
Da die KTM ein ähnliches Motorrad wie meine 800er ist, wäre die Beta die bessere Ergänzung, allerdings bräuchte ich dann noch eine Transportmöglichkeit oder eine Gruppe von Leuten, mit Transportern, mit denen ich mich zusammen tun kann um reine offroad Fahrten zu machen. Für Touren wie im Oman wäre sie aber nicht optimal, da hier auch längere Strassen-Etappen gefahren werden.

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